Zugegeben – die Idee, eine Liebesbeziehung einer Inspektion zu unterziehen – oder, fast noch schlimmer, eine Checkliste abzuarbeiten, um festzustellen, ob noch alles rundläuft, liest sich ziemlich technisch. Beinahe unpassend.
Die meisten Vergleiche hinken, dieser auch – trotzdem birgt er mehr als nur ein Körnchen Wahrheit: Im Inspektionsvergleich liegt ein echter Bewusstseins-Schatz für die Beziehung und es lohnt sich, ihn zu heben.

Schritt 1: Termin machen

Inspektionen müssen geplant und in den Alltag integriert werden – sie können nicht dem Zufall überlassen werden.
Meist gibt es einen wiederkehrenden Rhythmus: Was beim Auto der Reifenwechsel im Frühjahr und im Herbst ist, könnte für die Liebe eine Art Vitalitäts-Zufriedenheits-Austausch, kurz: VZA sein.
Termine werden immer schon im Voraus festgelegt, also im Frühjahr tragen sich beide schon den Herbsttermin ein. Und weil das so praktisch mit einem Reifenwechsel zusammenfällt, ist ein Vergessen fast unmöglich. Gut auch, sich genügend Zeit für die Termine einzuplanen. Eine Inspektion darf schon mal einen Tag lang dauern.

Ihr habt Allwetter-Reifen? Oder kein Auto?
Hmmmh: Wartungs- und Putzarbeiten in irgendeinem anderen Bereich müssen doch auch dabei sein, die ihr als Vergleich nehmen könnt, oder? Nutzt das Bild als Erinnerungshilfe – nicht mehr und nicht weniger.

Schritt 2: Was soll denn überhaupt gecheckt werden?
Die 3-Punkte-Checkliste-für-die-Liebe

Achtung: Wie bei einer Inspektion geht es zunächst darum, festzustellen, in welchem Zustand sich das zu Inspizierende gerade befindet. Eine Inspektion ist eine Art Untersuchung mit Bestandsaufnahme (Punkt 1). Dann wird ein Ziel festgelegt (Punkt 2) und im letzten Schritt kann besprochen werden, wie das gemeinsam festgelegte Ziel erreicht werden kann (Punkt 3). Bitte nicht bei Punkt 1 schon Lösungen suchen … das kann nicht funktionieren.

1. Wie geht es uns? Dir? Mir?

Damit daraus kein ratloses Gefrage oder Gestammel wird, könnt ihr folgende Cluster nutzen:

  • Wie geht es unserer Liebe?
    Merkwürdige Idee, nach der Liebe zu fragen? Aber bestimmt fällt dir dazu was ein, oder? Einfach mal ausprobieren.
  • Wie steht es mit unserem Sex?
    Ohjeee, schwieriges Thema, oft besprochen, selten erfüllend gelöst – dennoch: Es nützt nichts, wegzusehen oder unter den Teppich zu kehren (was soll der Sex auch da im Staub …?): Mache dir klar, ob du zufrieden bist und erzähle es deinem Partner. Ohne Anspruch, einfach nur als Mitteilungs-Geschenk von dir an ihn.
  • Was macht unsere Beziehung?
    Leicht und schwer gleichzeitig, oder? Es gibt ja bei vielen Paaren eine gute Alltagstauglichkeit, die wichtig ist, vor allem wenn Kinder da sind. Aber wie steht es mit der Freizeit? Den Ferien- und den Arbeitsbeziehungsthemen? Wie ist da der Stand der Dinge, was ist dir wichtig mitzuteilen?

 

2. Wo wollen wir hin?

Nicht immer, aber sehr häufig, haben wir eine Idee, wie wir uns unsere Liebesbeziehung wünschen. Im Alltag fühlt sich das dann oft ganz anders an und es schadet nicht, sich an einem solchen VZA-Termin darüber auszutauschen, wohin die Wünsche gehen.
Wichtige Regeln:

  • Sprich von dir!
  • Vermeide Du-Botschaften nach dem Motto: Ich würde ja gern, aber das willst du ja wieder nicht …
  • Seht euch den kleinen Film von Marshall Rosenberg an, er zeigt humorvoll, was wichtig sein könnte: https://www.youtube.com/watch?v=tCfU_ZRy_lg

 

3. Was wollen wir verändern, damit wir dahin kommen, wo wir hinwollen?

Ihr habt nun beide den anderen daran teilhaben lassen, wie der aktuelle eigene Status ist. Beide habt ihr Wünsche geäußert. Und dann?

  • Versucht, die einzelnen Checkpunkte aufzuschreiben, vielleicht auf einzelne Zettel oder auch als Liste in euer VZA-Buch (gut zum halbjährlichen Nachlesen) – jedenfalls irgendwie so festzuhalten, dass ihr damit arbeiten könnt.
  • Überlegt gemeinsam, wie ganz pragmatische Lösungen aussehen könnten. Benötigt ihr mehr Zeit, mehr Struktur, andere Kommunikationsformen, Unterstützung von einem Paar-Coach oder oder oder?
  • Seid achtsam in diesem Prozess: Körperlich, seelisch und geistig. Gönnt euch kuschelige Ruhepausen, geht in die Natur, tut alles, was ihr braucht, um euch wahrnehmen zu können. Ein Auto gibt man auch nicht in eine Fahrradwerkstatt, um die Reifen zu wechseln – ihr solltet also gut hinspüren, wie ihr Nähe und Zweisamkeit herstellen könnt, ohne euch zu überfordern.

In diesem Sinne:
Wir wünschen euch einen guten VZA mit allem, was für euch dazu gehört.