So ist es in unserem Leben als Mensch: wir können tolle Dinge denken und erfinden und unterscheiden uns dadurch von anderen Lebewesen. Aber von Beginn an als kleiner Zellhaufen im Mutterleib bis zum letzten Atemzug sind wir vor allem eines: Körper.

Unser Körper sind wir, wir sind unser Körper
Das ist ebenso wahr wie unwahr.
Ohne Körper sind wir nicht. Aber wir sind mehr als Körper, denn durch das Geschenk des Bewusstseins können wir unseren Körper wach und bewusst wahrnehmen. Und nicht nur dann, wenn er schmerzt, sondern eigentlich immer. Das tun wir leider selten – mit ein Grund, weshalb Sex sich oft viel weniger schön anfühlt, als es möglich wäre.
Das wunderbare an unserer Körperlichkeit wird durch die Verbindung mit Herz und Seele deutlich – zärtliche Berührung fühlt sich nicht nur körperlich himmlisch an, sondern nährt uns auf allen Ebenen.

Unser Körper: Eine Selbstverständlichkeit …?
Normalerweise, also im mehr oder weniger unbewussten Alltagszustand, spüren wir unseren Körper nur dann, wenn er nicht einwandfrei funktioniert. Mein Knie kenne ich eigentlich nicht, es ist halt da, aber wenn es schmerzt, bemerke ich es plötzlich und wünsche mir nur das eine: das Spüren möge wieder verschwinden, weil dann alles wieder gut ist.
Wie schade, oder?
Denn tatsächlich können wir unser Knie natürlich auch dann wahrnehmen, wenn es gesund ist – das braucht nur ein bisschen Übung (während Du das liest, kannst Du ja mal vorsichtig hinspüren, zum Knie … ist es da?).
Überhaupt: Körper ist immer fühlbar, wenn wir uns Zeit nehmen, hinzuspüren.

Wahrnehmen was ist: Grundlage für entspannte Sexualität
Bewusste Körperwahrnehmung hat mindestens zwei echte Pluspunkte: Zum einen verbinde ich mich mit dem, was jetzt gerade ist. Bin ich müde oder wach, aufgeregt (wenn ja, wo spüre ich das im Körper?), habe ich Hunger oder zu viel gegessen, schmerzt mein Kopf oder fühlt es sich leicht und wach an?
Über die bewusste Körperwahrnehmung verbinde ich mich mit mir. Und darüber hinaus lande ich komplett im Jetzt – habe gar nicht mehr soviel Zeit, zu denken, zu planen oder zu grübeln, wenn ich mich bewusst in meinen Körper hineinbegebe.
Die eigene Körperwahrnehmung ist deshalb eine Art Basiskompetenz für entspannte Sexualität – ich kann ja nur da entspannen, wo ich mich körperlich spüre.

Praxisübung Bodyscan
Der Bodyscan ist eine Übung zur Körperwahrnehmung und es gibt sehr verschiedene Varianten.
Für unsere Arbeit sind 4 Körperstellen besonders nützlich: Kiefer, Schultern, Bauch und Beckenboden.
Alle vier Bereiche sind bei den meisten Menschen angespannter als von Natur aus vorgesehen – vermehrt natürlich, wenn wir im Stress sind (Zähne zusammenbeißen, Schultern hochziehen, Bauch einziehen, Popo/Beckenboden zusammenkneifen).
Du kannst, liegend, sitzend oder stehend eine kleine Reise durch deinen Körper machen – und neugierig hinspüren, wie sich denn dein Kiefer anfühlt. Ist er angespannt? Ist er weich? Spürst du ihn überhaupt? Kannst du etwas ändern? Was ist mit deinen Schultern? Sind sie fest, weich, hochgezogen? Wie fühlen sie sich jetzt gerade an?

Einfach mal hängenlassen, den Bauch
Und der Bauch, den wir so gerne hätten wie ein Waschbrett … nein, der Bauch würde gern mal weich und bequem hängen dürfen. Oder zumindest nicht eingezogen werden. Wie sieht es aus mit deinem Bauch? Kannst du ihn ein bisschen entspannter lassen?
Denn: Ein Waschbrettbauch ist hart wie Stein und genauso empfindsam. Da ist es schwierig, etwas wahrzunehmen und zu spüren.

Die Zauberformel
Je geübter ich darin bin, so ganz banal meinen Körper zu entspannen, desto mehr kann ich mich in ihm wahrnehmen, ankommen und von innen heraus wohlfühlen. Je mehr ich mich wahrnehme und wohlfühle, desto mehr kann ich mich wieder entspannen. Von hier eröffnen sich beim Liebemachen völlig neue Welten, in denen ich mich weiter und tiefer erfahren kann, in allem was ich bin: Herz, Seele und natürlich Körper. Unser Körper.