Eines vorweg: Ohne Selbstverantwortung wird’s schwer mit dem erfülltem Sex – das ist gleichzeitig eine gute und eine schlechte Nachricht. Gut, weil ich selbst entscheide, was ich wann wie und wo mag und das auch vermitteln will – sonst nützt es ja nicht so viel. Schlecht, weil die Zeiten vorbei sind, meinen Partner dafür verantwortlich machen zu können, wenn mir unser Sex nicht gefällt.

Das Stichwort Selbstverantwortung hat viele Facetten, ist weder dröge, noch ernst oder langweilig. Es gibt Fallstricke, aber vor allem jede Menge gute Effekte, wenn wir sie übernehmen.

Am Anfang ist Wahrnehmung

Ganz klar: Um Verantwortung übernehmen zu können, muss ich zuallererst wahrnehmen, um was es denn überhaupt geht. Bezogen auf Partnerschaft und Sex heißt das: Ich muss meine Empfindungen wahrnehmen, meine Grenzen spüren, mir meiner Sehnsucht bewusst werden, meinen Körper fühlen und damit in Kontakt sein.

Und das ist zu Anfang eine fette Hürde, weil das, was ich da wahrnehme, nicht immer unbedingt angenehm ist, auch nicht im Sex. Nehmen wir an, ich werde plötzlich traurig während des Liebemachens – das kann einem aus ganz unterschiedlichen Gründen nämlich so gehen. Weil sich traurig fühlen und Sex aber nicht zusammenpassen, schalte ich das Gefühl aus, mache weiter – und bin danach noch trauriger als zuvor. Im schlechtesten Fall mache ich dann meinen Partner direkt oder indirekt noch dafür verantwortlich, indem ich sage (oder denke): „Sie hätte das doch mitkriegen müssen, dass mir so nach wildem Sex war…“ oder: „Er ist so unsensibel, da habe ich einfach gar keine Lust mehr drauf…“

Statt Traurigkeit kann es natürlich auch um Langeweile, Stress, Unsicherheit, Unruhe, Müdigkeit, Schmerz, Albernheit oder was auch immer gehen. Alles, was auf den ersten Blick nichts im Sex zu suchen hat. Besser erstmal nicht drüber sprechen und somit das Faß auch nicht öffnen. Wer weiß, was da alles zu Tage tritt.

Die Lösung: Freundliches Mitgefühl

Selbstverantwortung hat einen Fallstrick: Sie weckt und stärkt zunächst mal unseren inneren Antreiber. Wenn du zum Beispiel merkst – wenn du jetzt mehr wahrnimmst – dass du im Sex bestimmte Dinge nicht ansprichst, kann es sein, dass du anfängst, dich dafür niederzumachen. Klar weißt du, dass du vielleicht schon längst mal sagen solltest, dass du im Sex mehr Zeit haben möchtest.

Dich aber dafür zu schimpfen, weil noch nicht umgesetzt, bringt mehr Frust als Veränderung. Ganz im Gegenteil hilft an dieser Stelle, dass du erstmal wertschätzt überhaupt zu merken, was dich bewegt. Und mit dir freundlich bist und mitfühlst. Von da aus kannst du dir für die nächste Situation vornehmen, mehr von den eigenen Gefühlen wahrzunehmen und dann auch zu zeigen.Damit geht es dann in die nächste Begegnung, die vielleicht schon anders sein kann.

Der erste Schritt heißt also, sich zu gestatten, alle Gefühle, Gedanken und Wahrnehmungen zuzulassen – sie nicht direkt wegzumachen, sondern mitzukriegen, was gerade Sache ist. Freundlich, aber auch klar und ohne Ausflüchte. Freundlich mit mir und meiner Art zu sein, ohne tausend Entschuldigungen oder Rechtfertigungen.

Nicht meckern – lieben!

Ohne Selbstverantwortung wird es schwierig im Sex – und ohne Selbstliebe auch. Hört sich krass an, aber es gibt so viele Gründe, die wir immer wieder hören, warum Menschen nicht den Sex leben, den sie eigentlich leben wollen. Und diese Gründe hängen in der Regel am Partner oder an den Umständen. Es hilft aber leider nix, die Schuld dem unsensiblen, vielbeschäftigten, weniger entwickelten, angeblich desinteressierten Partner zu geben. Oder den Umständen, in denen ihr euch gerade befindet: Alltag, Stress, keine Zeit, was auch immer. Diese Haltung sucht Gründe im außen und führt nirgendwo hin, außer zu noch mehr Frust.

Die Entscheidung zu mehr Selbstverantwortung gleicht fast einem magischen Zaubertrick mit doppelter Wirkung: Wenn ich mich besser mitkriege und das auch beginne zu kommunizieren, steige ich im selben Moment aus der Vorwurfs-Kiste aus – ich höre auf zu meckern und zu jammern. Was sich hier als magisch liest, ist wahr und real – sich mitzuteilen mit dem, was an Gefühl und Wahrnehmung da ist, öffnet der erfüllten Liebe Tür und Tor.

Wenn du aufhören kannst, deine Unzufriedenheit auf andere abzuwälzen und dein „Ja, aber …“ einfach mal beiseite schiebst, bist du ganz da – wach, präsent. Bereit, selber für eine Veränderung zu sorgen – in deinem Leben, in deiner Beziehung und natürlich auch im Sex.

Stolpersteine aus dem Weg

Viele Paare träumen von anderem Sex, Sex der erfüllt, zufrieden macht und das Herz berührt – vielleicht so wie zu Beginn der Beziehung. Unsere Erfahrung in den Retreats und auch in den Einzelberatungen zeigt: Es gibt wirklich sehr viel Unzufriedenheit, viel Unsicherheit, Unmut, Träume und Ernüchterungen in Punkto Sex. Es braucht Mut, Geduld und manchmal auch weitere Unterstützung, um den Weg in die neue Art von Sex gemeinsam als Paar gut gehen zu können.
Das eigene Wohlergehen auch in die eigenen Hände zu nehmen und dafür freundlich einzustehen, ist ein enorm wichtiger erster Schritt. Im Weg steht uns da oft, dass wir entweder den anderen verantwortlich machen oder uns selbst in Grund und Boden kritisieren. Puuh, beides kennen wir alle gut, Antreiber sein oder Opfer – für Sex, der mehr erfüllt und das Herz berühren soll, ist das wenig hilfreich.

Bist du bereit?

Bist du bereit, selber die Verantwortung zu übernehmen und den anderen nicht mehr für alles verantwortlich zu machen, was nicht so gut läuft?

Kannst du aufhören zu denken: „Ja, ich kann das ja alles, aber sie sollte doch noch ein bisschen mehr lernen loszulassen…
„Das würde doch alles besser laufen, wenn er den richtigen Kontakt zu seinen Gefühlen hätte…“.

Kannst du dich davon verabschieden, deine scheinbar unpassenden Gefühle zu ignorieren und zurückzuhalten und sie mit dem Menschen teilen, den du liebst?

Verantwortung für dich, dein Handeln, dein Tun und dein Erleben zu übernehmen und deinem Partner das Gleiche zugestehen, macht die Bahn frei für entspannten und herzerfüllenden Sex mit viel mehr Liebe – und das ist der Beginn in ein neues Zeitalter für eure Beziehung.

Also, fang bei dir selber an!