Wir behaupten: Ohne liebevolle und achtsame Kommunikation wird es schwer (bis unmöglich) mit dem entspannten schönen Sex. Ohne zu wissen, wo mein Partner in seinem Leben gerade so langsegelt, geht es einfach nicht und deshalb ist dieser Blog ein herzvolles Plädoyer für das ELG, das Einfach Liebe Gespräch.
Und nein, hier geht es nicht ums Sprechen beim Sex – das ist zwar auch wichtig, aber an dieser Stelle nicht wichtig.
Hier geht es darum, dass entspannter, liebevoller, saftig-genüsslicher Sex nicht geht ohne miteinander im Gespräch zu sein. Liebevoll, regelmäßig, geplant und bestimmten Regeln folgend. Tatsächlich sind wir nicht die einzigen und vor allem nicht die ersten, die dem Paargespräch liebeserhaltende Wirkung nachsagen. Uns sind aktuell zwei sehr unterschiedliche Kommunikations-Experten über den Weg gelaufen, deren Ideen und Ausführungen wir so bemerkenswert frisch und zu unserer Arbeit passend finden, dass wir sie hier kurz vorstellen möchten. Beide Experten haben schon vor vielen Jahren auf ihre spezielle Weise am selben Thema gearbeitet wie wir, nämlich daran, was Liebe mit Selbstverantwortung zu tun hat und wie das mit Kommunikation verbunden ist.
Und das möchten wir euch ganz im Sinne von entspanntem Sex vorstellen.

Vera Birkenpohl und die Inselgespräche

Da ist die erfolgreiche, ziemlich spezielle Management-Trainerin und Sachbuchautorin Vera Birkenbihl, deren Steckenpferd hirngerechtes Lernen war, die sich aber auch immer wieder zu Kommunikation geäußert hat und wie die ihrer Meinung nach gelingen kann. Der YouTube-Film über Insel-Gespräche bringt auf den Punkt, was auch uns wichtig ist: Wir sind und bleiben zwei (bei ihr sind es Inseln) verschiedene Wesen – allen symbiotischen Versuchen zum Trotz bleiben wir verschieden. Das ist ja gerade das Prickelnde, Reizvolle, das die Lebendigkeit ausmacht. Warum führt Unterschiedlichkeit zu Problemen? Weil wir nicht miteinander sprechen – weil wir, nach Birkenbihl, nicht akzeptieren, dass wir zwei sind mit je individuellen Bedingungen und Themen – vielleicht eine pazifische Vulkaninsel und eine Hallig – die haben unterschiedliche Sicht auf die Dinge, verschiedene Bedürfnisse und darüber müssen sie sich austauschen.

Einfach Liebe und die Inselgespräche

Ein Paar besteht aus zwei Inseln – das Bild können wir gut nehmen. Wir lernen die andere Insel kennen, sind neugierig, wollen sie erkunden. Und sind uns immer im Klaren darüber, dass die eigene Insel eine andere Landschaft hat. Unser Partner kann sie kennenlernen, erforschen und immer wieder neue Entdeckungen machen.

Das ist viel spannender, als beide Inseln gleich machen zu wollen, was erstens sowieso nicht geht – und zweitens auch langweilig ist.
Für Inselgespräche und für Entspannten Sex liegt der Trick im genauen Hingucken, Hinhören, Hinspüren – zunächst bei sich selbst, was bedeutet, mit dem eigenen Terrain so vertraut wie möglich zu werden – und dann natürlich bezogen auf den Partner.

Zwei Inseln im Kommunikations-Modus können echt spannende Sachen voneinander erfahren. Als Vulkaninsel kenne ich Feuer, strömende Lava, Hitze und Glut, hohe Energieladungen – wie interessant zu erfahren, wie es sich auf einer Hallig in der Nordsee wohl lebt mit Wind und Wellen und ziemlich kühlem Drumherum – alles fremd, alles merkwürdig, aber in jedem Fall lohnenswert zu entdecken.

Die Zwiegespräche des Michael Lukas Moeller

Der renommierte Arzt und Psychoanalytiker Michael Lukas Moeller hatte eine Leidenschaft und die hieß: Liebespaaren helfen, Liebespaare zu bleiben oder zu werden. Dazu hat er mehrere Jahrzehnte geforscht. Uns ist er durch einen Buchtitel Die Wahrheit beginnt zu zweit aufgefallen – ein Buch, das 1992 erstmalig erschien und mittlerweile in der 38sten Auflage verkauft wird. Warum wir das erwähnen? Weil es zwei Dinge zeigt: das Thema der gelingenden Paarbeziehung ist erstens zeitlos und zweitens für viele Menschen richtig wichtig.

Moeller hat alles ihm Mögliche getan, um Paare davon zu überzeugen, dass das Miteinander Reden der Schlüssel für jede Liebesbeziehung ist, die glücklich und von Dauer sein soll. Und er hat wissenschaftlich bewiesen, dass es einen engen Zusammenhang gibt zwischen echtem, also intimem sprachlichen Austausch und glücklicher Sexualität.

Jetzt sind wir keine universitären Wissenschaftler, aber tatsächlich erforschen wir Entspannte Sexualität seit fast 20 Jahren mit allem, was dazu gehört. Wir haben die unterschiedlichsten Versuch ausprobiert, jede Menge Daten gesammelt, Fehlinterpretationen zuerst als richtig erachtet, um sie dann wieder zu verwerfen – wir haben alles gegeben, gute Lehrer gehabt – und kommen zum gleichen Schluss wie der Professor:

Liebespaare müssen reden.
.

Ganz praktisch: die Grundordnung

Sehr einfach sind die Regeln:

• Verabredet euch verbindlich mindestens einmal, besser zweimal wöchentlich

• Legt eine Zeit fest: 30-90 Minuten, die ihr sorgfältig einhaltet
.
Wir sagen: 30 Minuten reichen aus, Moeller plädiert für 90 Minuten
. Warum überhaupt eine feste Zeit von mindestens 30 Minuten vereinbaren? Weil sich genau
an diesen Grenzen tolle Widerstände zeigen – Ausweichmanöver, Ablenkungen, Ausflüchte – die tauchen nur auf, wenn es diese Festlegung gibt …

• Sorgt dafür, dass ihr ungestört seid: Keine Kinder, kein Telefon, nicht in der Kneipe oder der Sauna, ohne Musik, WhatsApp, Handy und Co

• Reden und Zuhören sollen gleich verteilt sein.
ELG: Stellt euch den Wecker, wenn er klingelt, bringst du deinen Satz noch zu Ende und dann:
Pause. Einatmen – Ausatmen – Wechsel

• Rede über dich und darüber, wie es dir geht. Was bewegt dich zur Zeit, was berührt dein Herz. Wo ist es gerade schwer für dich, was ist schön und leicht. Gib deinem Partner, deiner Partnerin (und damit natürlich dir selber) einen Einblick in deine innere Welt.

• Schweigephasen (zum Hinspüren) sind erlaubt

Legt euch fest, nur dann kommt ihr in den Genuss echter überraschender Nähe. Wenn ihr 30 Minuten plant, haltet genau die Zeit ein. Nicht kürzer, aber auch nicht länger. Legt euch für einen Monat, also 4 Termine fest. Dann schaut ihr: Passen 30 Minuten? Oder darf es länger sein?
Wichtig: Haltet aus, was ihr verabredet habt, seid neugierig auf eure Widerstände und bleibt dabei – hinter dem Widerstandshorizont geht es weiter und zwar mit der Liebe.

Mit dieser Gewohnheit werden die Beziehungs-Spielchen unmöglich. Keine Tricks mehr, kein Drumherum-Schweigen möglich, keine falsche Rücksichtnahme, keine Dauerprojektionen – alles Schnee von gestern. Komplett selbstverantwortlich segelt ihr gemeinsam zu euren Inseln und lernt sie kennen; mit Zeit und Raum, Geduld und dem freundlichen Liebesblick, der Intimität und Nähe schafft.

Geht Sex und Insel-Sprechen gleichzeitig?

Das würde bestimmt Zeit sparen, denn für den Sex müsst ihr euch ja auch noch verabreden.
Aber wir empfehlen unbedingt, beides voneinander zu trennen!

Beim Alltags-Sprechen geht es darum zu erfahren, wo der andere gerade steht, was ihn beschäftigt, beim entspannten Sex geht es darum, Seele und Körper liebevoll zusammenzubringen – das gehört zusammen und doch nicht.

Also fangt ihr pro Woche mit zwei Verabredungen fürs Sprechen an und einer weiteren fürs Lieben. Wer an dieser Stelle denkt, diese 2 bis 3 Stunden pro Woche füreinander nicht zu haben, wird es schwer haben mit entspanntem Sex und mit der erfüllenden Liebesbeziehung. Wenn es aber das ist, was du dir für dein Leben wünschst, dann schaff den Raum dafür: neugierig, liebecoll, entschlossen – mit allen Sinnen inklusive Sprechorgan und Ohren.