Zu Beginn gibt es eine Erkenntnis. Bei den meisten Paaren, die mit ihrem Sex nicht ganz zufrieden sind, entsteht irgendwann der Gedanke: So nicht (mehr)! Wobei bis dahin natürlich schon viel miteinander gefühlt und erlebt wurde – Herausforderndes wie Gutes. Dennoch taucht irgendwann eine Einsicht auf, dass sich etwas verändern muss.

Der Kopf versteht schnell, lässt sich von logischen Erklärungen überzeugen und ist bereit, so lange nach Ursachen zu suchen, bis das Problem gelöst werden kann. Wir denken oft, die Ursache zu kennen, würde automatisch eine Verbesserung mit sich bringen – unser Kopf funktioniert da wunderbar logisch, sehr schön linear. Wir überzeugen uns argumentativ, wie der nächste Schritt sein muss, damit alles gut geht..

Am Anfang ist die Störung

Ein Prozess der Veränderung (sprich, gewünschte Verbesserung) beginnt mit einem Unwohlsein, wir sind motiviert, etwas zu ändern, weil wir einen Zustand nicht mehr länger hinnehmen wollen. Der Sex macht keine Freude, die Liebe droht, verloren zu gehen – also muss sich hier was ändern. Nur was?

Die unangenehme Nachricht zuerst: Veränderung liegt nicht im Außen (siehe Nowhere to go but in), sondern in mir selbst. Das versteht der Kopf auch, das Lesen des ein oder anderen Buches zum Thema Selbstwirksamkeit und Verantwortung kann helfen, diese Erkenntnis zu festigen.

Und dann die gute Nachricht: Hast du erkannt, dass du die Situation ändern kannst, dass du selbst in der Hand hast, wie euer Sex in Zukunft sein soll, bist du einen großen Schritt weiter und kannst deinem Kopf ohne weiteren Widerspruch folgen und einen Plan machen. Deine Motivation wird durch innere Argumente (intrinsische Motivation) unterstützt und das ist ein wunderbarer Anfang. Außerdem liebt unser Verstand Abwechslung und Pläne – die Chancen stehen gut, dass bei Veränderungen, in denen unser Verstand so mit einbezogen wird, mit nicht allzu viel Widerstand zu rechnen ist.

Es sei denn, du bist ein JA-ABER-Mensch – dann braucht es ein bisschen länger 😉

Tipps und Tricks zum Mind-Set

  1. Ändere deine Einstellung zum Problem

    Das heißt: Betrachte deine Herausforderung aus einer Distanz, nicht komplett identifiziert. Wenn du bisher dachtest, dein Partner wäre das Problem, kannst du aus einer anderen als der gewohnten Perspektive vielleicht sehen, dass es wohl euer gemeinsames Ding ist (liegt beim Thema Sex sehr nahe, oder?) und dass du dafür verantwortlich bist, deine Sicht, dein Fühlen, dein Wünschen mit einzubringen. Bleib nicht beim Meckern hängen, sondern benutze deinen logischen Verstand, um zu überlegen, welche Veränderung für dich der erste Schritt sein müsste.

  2. Übernimm die Führung

    Das Gute an rationalen Überlegungen ist die Möglichkeit zu erkennen, wer spricht. Fakt ist, in unserem Kopf gibt es viele unterschiedliche Stimmen. Frage dich: Welche Stimme verschafft sich da gerade Gehör? Das kleine Mädchen, der coole Rebell des Jugendlichen? Die (alte) Angst, verlassen zu werden? Die Das-hat-ja-sowieso-alles-keinen-Sinn Stimme? Du kannst die verschiedenen inneren Instanzen aus einer beobachtenden Perspektive wahrnehmen und dir dessen bewusst werden. Deine Entscheidungen werden klarer, wenn du weißt, welche innere Stimme spricht. Mach dir also klar, wer die Führung übernimmt, wenn es um entspannten Sex geht – und lass dich nicht ablenken von dem, was DU möchtest. Schicke das Will-haben, das Nix anderes kann, als an den nächsten Orgasmus zu denken, einfach mal in eine hintere Reihe.

  3. Schreibe auf, was du verändern willst

    Nein, bitte keine seitenlange Liste, was alles in deinem Leben anders werden soll, sondern wähle einen Bereich – wir empfehlen da ja das Thema Sex.
    Mache eine Absichtserklärung, die du positiv formulierst. Also nicht aufzählen, was du nicht mehr willst, sondern konkret benennen, was du dir wünschst, z.B. mehr Zärtlichkeit, mehr Liebe spüren, mehr Zeit. Deine Absicht zielt auf ein hin-zu statt auf ein weg-von und das ist wichtig, weil es einen positiven Grundton erzeugt, der dem Ganzen hilft, erfolgreich umgesetzt zu werden (gut erforscht im Rahmen der Positiven Psychologie).

    Formuliere neben der Absicht auch einen Zeitrahmen und einen Aspekt, an dem du merkst, dass sich etwas verändert hat. Stelle sicher, dass diese Veränderung durch dich eingeleitet wird und nicht von äußeren Umständen abhängig ist. Diese Art der Ziele nennt man SMART und du kannst mal nachlesen, ob dir dieses Modell helfen kann, am Ball zu bleiben.

Nur Kopf?

So, dein Kopf ist jetzt beschäftigt – bleibt die Frage, was Herz und Körper in der Zeit machen. Dazu haben wir im Blogartikel Tolles Trio einiges geschrieben, mehr im nächsten Blogartikel Heart-Set. Aber eins ist ja klar: Auch wenn der Kopf kurzzeitig die Führung übernehmen kann und soll, sind Herz/ Gefühl und Körper/Erfahrung erstens immer mit an Bord und zweitens deutlich mächtiger. Die gute Nachricht: Es gibt auch dazu jede Menge Übungen und Ideen, wie alle drei zusammen eine friedliche Koexistenz führen können – auch im Bett.