Klar, Sex und Liebe und alles drumherum richtet sich immer zuerst an Paare – das ist insofern blöd, als dass es ziemlich viele Singles gibt, die auch gern Sex haben (wollen) – deshalb werden wir ganz oft per Mail gefragt, wie das denn für Singles so geht mit dem Entspannten Sex.

Das ist ja ganz normal, sich alleine zu vergnügen, wenn kein Partner da ist – aufregendes Kopfkino oder echte Filme sind immer verfügbar, im Zweifelsfall oder bei ausgedehnter Langeweile gibt es alle möglichen unterstützenden Spielzeuge, die fast vergessen machen können, dass Sex eigentlich für zwei gedacht ist. Geht es um das eigentliche Ziel von Sex, das Erreichen und Erleben eines weltbesten Orgasmus, ist es für viele, meist Frauen, sogar oft einfacher und erfolgreicher, wenn sie das Ganze alleine in die Hand nehmen. Masturbation ist spätestens seit der sogenannten Sexuellen Revolution in den 60igern so selbstverständlich wie Zähneputzen und hilft bekanntlich zum Stressabbau, bei Migräne und Einschlafproblemen. Alles gut, oder?

 

Dicker Denkfehler

Hört sich komisch an, aber für uns von Einfach Liebe ist Single-Sex von der Grund-Idee genauso wie der Sex zu zweit: entspannt und gelassen, das Ziel (Orgasmus) ist da eher im Weg. Masturbation ist, wie immer, wenn der Orgasmus das Ziel ist, ein Hochfahren (um nicht zu sagen: Hochpeitschen) des Nervensystems.

Ich will was haben (das geiles Gefühl, den Höhepunkt, die Entspannung) und benutze meinen Körper, zu kriegen was ich will. Ich tue mir also ganz autonom und frei was Gutes, ich aktiviere mein Körper-System mit einem ganz erfreulichen Ziel. Diese Freiheit, ganz unabhängig von anderen für sich selbst zu sorgen, gilt als große Errungenschaft. Wir finden das aber leider nicht ganz so freiheitlich, denn für Singles wie für Paare heißt das, der Orgasmus-Möhre nachzulaufen – die hängt uns so dicht vor der Nase, dass wir gar nicht auf die Idee kommen, es könnte auch anders gehen. Freiheit verbinden wir nämlich nicht damit, einer Möhre hinterherzulaufen…

Was ist falsch daran? Du hast freie Zeit mit dir allein und irgendwie ist dir danach, was Schönes für dich zu tun – die Frage ist dann nur noch: isst du Schokolade, trinkst du ein Glas Wein oder masturbierst du. Oder vielleicht alles zusammen? Sich was Gutes tun ist doch super – sich Zeit nehmen auch. Und nein, wir haben nix Moralisches im Hinterkopf, wenn wir sagen, dass Masturbation und Entspannter Sex nicht so ganz gut zusammenpassen. Denn ob allein oder zu zweit: das hochgefahrene Orgasmus-Reiz-System ruft rein biochemisch nach immer mehr und mehr und mehr.

Auf Dauer bringt das Spannung in den Körper und die bleibt da hängen. Der Körper ist gestresst und überreizt … du wunderst dich, dass du dich vielleicht unzufrieden fühlst, launisch bist, dich sprichwörtlich „geladen“ fühlst. Eine Art „Katerstimmung“ – die würdest du aber nie mit dem schönen Orgasmus vor ein paar Tagen, in Zusammenhang bringen.

Der Denkfehler? So gut tust du auf Dauer deinem Körper nicht, denn der hat mit dem ganzen Stress aus dem Alltag jetzt auch noch zusätzlich den Höher-schneller-weiter-Stress aus dem Sex. Ganz schön blöd. Wir empfehlen, der Orgasmus-Möhre einfach nicht mehr hinterherzulaufen – egal ob du nun Single bist oder einen Partner hast.

 

Geht Entspannter Sex auch allein?

Unbedingt. Sich Zeit für sich und seinen Körper zu nehmen, ist kein Notnagel für unzufriedene Singles, sondern eine echte Entdeckung mit großem Liebes-Potenzial. Im Entspannten Sex geht es darum, sich in der Tiefe zu nähren, sich etwas zu geben, statt etwas haben zu wollen – so kommen wir dem Ganzen schon näher. Sich Zeit zu nehmen für unaufgeregten, körperlichen Kontakt, finden wir super. Mit dieser absichtslosen Absicht entsteht ein ganz anderer Raum: die Brüste sanft zu halten oder den Penis liebevoll von innen zu fühlen, führt natürlich nicht zum Orgasmus – und soll es auch gar nicht. Wenn du dich allein entspannst und einfühlsamen Kontakt zu deinem Körper aufnimmst, kann sich ein komplett neues, ganz anderes erotisches Fühlen ausbreiten. Du fühlst dich im Ganzen, deine Haut, deine Weichheit, dehnst dich weit aus und kannst in deinen eigenen Selbst-Liebesraum eintreten. Du gibst dir Zeit, du spürst hin, bist ganz da, ohne Ablenkung – und schenkst dir damit liebevolle Aufmerksamkeit. Was daraus entsteht ist Entspannung, eine ganz andere Körperchemie und ein unwiderstehlich angenehmer Kontakt zu deinem eigenen Körper und zu dir selbst.

Fazit: Entspannter Sex allein oder zu zweit geht einfach nicht mit Reiz und Hitze und Orgasmus zusammen. Das Gute – so einfach wie praktisch – es braucht keine Geräte, keine Klitoris- oder Penisstimulation, kein Kopfkino, kein Nichts außer dir und deiner Bereitschaft, dich nach innen zu wenden, dich in der Tiefe zu spüren, deinen Körper zu fühlen. Und das ist, egal ob in Single-Beziehung zu sich selbst oder in der Partnerbeziehung, einfach himmlisch saftig, frisch, immer neu, sehr weich, total entspannt und mega-nährend.