Nichts schadet dem Sex mehr als Stress – keine Lust zu haben, heißt bei den meisten Menschen nämlich: Mir ist alles zu viel, ich will meine Ruhe haben, wenn ich mal ein bisschen freie Zeit habe – und Sex ist mir dann sowieso viel zu anstrengend. Mal abgesehen davon, dass Entspannter Sex nicht anstrengend ist, sondern immer nährend und erholsam, können wir in der Weihnachtszeit sehr gut erkennen, dass sich hier viel bündelt und ein kollektives Alles-ist—zu-viel-Stress-Syndrom entsteht.

Meist machen wir uns zwar Gedanken, was wir wollen und was nicht, aber schwupp, ist der 4 Advent, du hast zehn Weihnachtsfeiern, drei Mal Kekse backen, diverse Glühweintreffen hinter dir und fühlst in der Regel: Overload. Die Zunge hängt aus dem Hals, der Wunsch nach Ruhe ist riesengroß, leider bleibt der Kalender weiter voll, denn: die Feiertage kommen dann ja erst noch mit Familientreffen, Omabesuchen und und und…. Es ist tatsächlich richtig schwierig, in diesen Zeiten locker zu bleiben – und entspannt.

 

Sex in der Weihnachtszeit: Unbedingt!

Eigentlich ist ja gerade die dunkle, auf ein Fest vorbereitende Adventzeit und dann die Zeit zwischen den Jahren unserer Meinung nach ganz besonders geeignet dazu, der Liebe richtig viel Raum zu geben – schließlich ist Weihnachten das Fest der Liebe. Es ist also mehr als naheliegend, für die Liebe und Entspanntem Sex Zeit zu haben. Schwierig? Nö, eigentlich nicht – am Anfang steht das Wollen, die gemeinsame Entscheidung, sich nicht zu verlieren und die Liebe nicht unter die Räder kommen zu lassen. Noch vor dem Anfang, also vor dem Wollen, steht häufig eine Art bewusster Geistesblitz nach dem Motto: „Unsere Liebe soll Platz haben und nicht im Klingeling versinken“. Wenn das klar ist, kommt das gemeinsame Wollen verbunden mit einem verbindlichen Commitment dazu – Ausreden wie „Schatz, es ist ja nur jetzt so stressig, nach Weihnachten haben wir wieder mehr Zeit…“ sind maximal verboten – weil sie auch inhaltlich nicht stimmen. Es gibt zwar besonders herausfordernde Zeiten wie den Advent, aber solche, in denen nix ist – sind Utopien – davon träumen wir und projizieren sie in die nahe Zukunft, um dann, wenn aus der Zukunft Gegenwart geworden ist, festzustellen: „Gerade ist alle ein bisschen viel, Schatz, aber wenn das nächste Woche, nächsten Monat, nächstes Jahr erledigt ist, dann haben wir endlich Zeit für uns.“ Wenn dieser Satz der Vergangenheit angehören soll, ist es Zeit, sich Gedanken zu machen über liebe-volle und genüssliche Alternativen – klingt gut, oder?

Also: Wenn ihr eure Liebe und euren Sex in der Adventszeit und zwischen den Jahren nicht zu arg unter die Räder kommen lassen wollt, dann ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, es in diesem Jahr wirklich anders zu machen. Und dafür haben wir 4 Tipps für euch:

 

Tipp 1: Planen! Planen!! Planen!!!

Och nööö, Liebe planen, schlimmer noch: Sex planen – wie abtörnend. Ja, so könnte es aussehen – aber uns geht es darum, zu planen, was alles NICHT sein muss – also guckt ihr beim nächsten Paartreffen am besten mal eure normalerweise typischen Weihnachts-Planungen an und checkt, was so anstehen könnte an Feiern, Treffen, Besuchen, Schenkereien. Und dann nehmt ihr einen dicken Stift oder virtuellen Marker, um freie Samstag- oder Sonntagnachmittage einzutragen, die euch gehören – sie sind unverhandelbar. Es geht bei dieser Planung nämlich nicht darum, sich gegen Verabredungen mit Familie und Freunden, sondern sich für die Liebe zu entscheiden. Das ist ebenso simpel wie herausfordernd.

Weiter geht’s mit der Planung freier Abende – am besten sowohl einzeln als auch gemeinsam – die werden fest eingetragen, als Termine – und wenn dann eine Anfrage kommt, ist es leichter, das Commitment wirklich einzuhalten. Das erfordert allerdings, vor allem bei Spontaneinladungen, liebevolle Konsequenz und Sätze wie: „Nein, da kann ich nicht, da bin ich schon verabredet.“ Es braucht aber keine weitere Erklärung, kein Zögern und schon gar kein Umwerfen der Liebes-Pläne.

Zusätzlich können die Termine, die ihr unbedingt einhalten wollt, weil sie euch wichtig sind, vielleicht auch etwas eingrenzen – Verwandtenbesuche müssen vielleicht nicht ganze Tage dauern, Abendverabredungen nicht im Glühweinrausch enden. Wichtig ist aus unserer Erfahrung, einen klaren UND liebevollen Blick auf alle Termine zu werfen, also schon im Voraus wach und bewusst mit Zusagen und Verbindlichkeiten umzugehen.

Ach übrigens: Alle Tipps gelten zwar ganz besonders in außergewöhnlichen Zeiten wie der Weihnachtszeit, aber natürlich lassen sie sich wunderbar in jeden Alltag übertragen – es sei denn, ihr habt das alles schon gut gedeichselt und sowieso kein Problem mehr damit, euch freie Liebeszeiten einzuplanen.

 

Tipp 2: Weniger ist mehr – collect moments, not things

Geschenke sind wunderbar, keine Frage – aber die allermeisten Menschen geraten zu Weihnachten in einen Riesen-Geschenke-Stress; klar macht es Freude, andere zu beschenken, außerdem ist es ein kollektives Ritual, aus dem auszusteigen nicht ganz einfach ist …
Ein erster Schritt kann sein, sich als Paar zu fragen, ob es wirklich nötig ist, sich zu Weihnachten zu beschenken. Wir, Ela und Volker, schenken uns seit Jahren nichts und das war und ist für uns ein echter Akt der Befreiung. Wir haben uns dazu entschieden, lieber eine gute Zeit miteinander zu verbringen und da brauchen wir keine Zusatzgeschenke. Unser Geschenk heißt Freiraum, Liebeszeit – wobei da auch eine Falle lauern kann – es heißt für uns auf keinen Fall, dass wir uns die tollsten Events schenken – es heißt einfach nur: Zeit miteinander zu haben, ohne Mega-Erwartung an die Paarzeit – sonst entsteht ja nur der nächste Stress.

Zurück zu den Geschenken: Wir haben auch im Verwandtenkreis schon lange klargemacht, dass wir weder Geschenke wollen noch welche machen – Kinder sind ausgenommen, aber auch hier reichen Kleinigkeiten. Es liegt in unseren eigenen Händen, uns zu entscheiden – vielleicht beginnt ihr damit, auch hier eher mal Zeit zu verschenken (Vorsicht: Nur wenn das keinen Zusatzstress erzeugt) als Dinge, die die Welt noch mehr verstopfen…

Wichtig: Entscheidet als Paar, was euch essenziell wichtig ist. Seid achtsam mit euren (Zeit)-Ressourcen, und gebt eurer Liebe und dem Sex den notwendigen Raum – nicht die Minuten, die übrigbleiben, wenn alle Termine abgefeiert sind.

Advent und Weihnachten bedeutet für uns mittlerweile: Wir halten bewusst schöne Momente fest, wir freuen uns an Begegnungen, freuen uns an der Zeit zu zweit, die wir vorher geplant haben. Wir machen also keine Extra-Events der besonderen Art, sondern sind aufmerksamer und dankbarer mit den Terminen, die wir haben. Das gilt für unsere Paarzeit, die wir im Dezember dann häufig als besonderes Geschenk wahrnehmen, aber auch für alle anderen Begegnungen – weil wir ein bewusstes Auge darauf haben. So fremd es sich anhören mag: Wir freuen uns in der Adventszeit, während der Weihnachtstage und zwischen den Jahren auf die gut geplante freie Zeit, wir feiern die Begegnungen und Momente, die da sind – gemeinsam, aber auch gern allein, mit uns selber beim Meditieren, beim Spazierengehen oder einfach nur beim Nichts-Tun.

Tipp 3: Relax and enjoy

Nein, du hast dich nicht verlesen – wir sind fest davon überzeugt und erleben es alle Jahre wieder: Entspannte Weihnachtszeit ist machbar. Für die meisten hört sich das nach romantisch-utopischer Vorstellung an … Es gibt doch so viele Weihnachtsessen, besonders besinnliche Konzerte, Bastelverabredungen, Geschenkkäufe – und im Büro warten natürlich Jahresabschlüsse, letzte Projektplanungen und natürlich noch viele in diesem Jahr auf jeden Fall noch zu Erledigendes – ToDos so weit das Auge reicht– wer soll da bitte entspannen? Überhaupt könnte die Adventszeit auch problemlos in ToDo-Zeit umgetauft werden.

Was nicht ist kann werden
Am Anfang steht, auch im Advent, die bewusste Entscheidung. Sorry, leider gibt es keine Abkürzung, um diesen Schritt zu überspringen – solltest du eine kennen: Bitte sag Bescheid! In den ersten beiden Tipps haben wir die ersten Schritte zur entspannten Weihnachtszeit beschrieben – jetzt kommt die Basisausrüstung und die heißt: Sorge für entspannte Momente.
Und die gibt es in jedem Alltag. Sie verstecken sich in den Zwischenräumen – deshalb übersehen wir sie so leicht. Es geht um 5-10 Minuten Pause – ohne Smartphone, ohne Gesellschaft, ohne Ablenkung, vielleicht wenn du im Auto sitzt bevor du ins nächste Gespräch gehst, wenn du gerade aufgestanden bist, wenn du dich hinsetzt auf einen Espresso oder oder oder – und wenn es die Toilette im Büro ist, die dir 5 Minuten den Raum gibt, den du brauchst, um dein Nervensystem ein Mal ganz runterzufahren.

Bodyscan mit Atemübung
Nimm deinen Atem wahr – es gibt nichts zu tun, nur wahrnehmen, wo du ihn gerade fühlen kannst. Entspanne dann so gut wie möglich von oben nach unten Gesichtsmuskulatur, Kiefer, Schultern, Bauch, Gesäß, Beine, Füße…wenn du dort angekommen bist, nimm wie mit einer Kamera wahr, wie sich dein Körper gerade anfühlt.
Richte die Aufmerksamkeit dann wieder auf deinen Atem, plane insgesamt mindestens 5 Atemzüge: Zähle während der ersten drei Zyklen beim Einatmen bis 3, beim Ausatmen bis 6 und schließe noch 2 Atemzüge an, bei denen du einatmend bis 4 und ausatmend bis 8 zählst. So atmest du länger aus als ein. Warum? Die betonte Ausatmung aktiviert den Parasympathikus, den großen neuronalen Entspanner, so dass du tatsächlich mit wenigen Atemzügen eine messbare Umschaltung vom Stress- in den Entspannungsmodus initiieren kannst. Atme ruhig und versuche, jeden Atemzug vom Anfang bis zum Ende wahrzunehmen – kommen Gedanken, sage ihnen freundlich, dass sie später nochmal vorbeikommen sollen, weil du jetzt gerade mit anderem beschäftigt bist.
Es ist nichts dagegen einzuwenden, die Übung zu wiederholen.

Dankbar sein
Nach dem Bodyscan bist du rein nerventechnisch etwas runtergekommen – wenn du dann noch einen weiteren kleinen Moment nutzt, um insgesamt eine positive und dankbare Haltung einzunehmen, ist der Feiertags-Relax-Innehalte-Impuls perfekt. Nimm wahr, für was du dankbar sein kannst und wie viele Möglichkeiten du hast, weil du ein freier, bewusst handelnder Mensch bist…
Liebe im Advent?
Unserer Erfahrung nach geht Entspannter Sex nur dann, wenn wir zwischendurch und täglich immer wieder runterfahren – ohne diese kleinen Auszeiten rollt der Alltagswahnsinn einfach so über uns hinweg. Das gilt zu Weihnachten ganz besonders, aber eigentlich trifft es immer zu: Stress ist Stress und der schleicht sich durch jede unbewusste Ritze. Der regelmäßig ausgeführte Bodyscan zwischendurch kann viel verändern.

Tipp 4: Sprich mit mir

Mit das erste, was auf der Strecke bleibt im Stress ist das Liebes-Gespräch – damit meinen wir Gespräche, die den Namen verdient haben, also bei denen genug Zeit und Raum zur Verfügung stehen, um wirklich zu sprechen.
Vera Birkenpihl hat diesen Gesprächen einen Namen gegeben: Inselgespräche nennt sie diese Form der liebevollen Kommunikation. Warum Insel? Weil wir den Partner auf unsere persönliche Erlebnis- und Empfindungsinsel mitnehmen, indem wir davon erzählen, was uns gerade so bewegt. Mehr dazu kannst du im Blogartikel Inselgespräche lesen.

Wann hast du Zeit?
Das geht nicht mal eben zwischendurch, auch nicht zufällig (obwohl sich das natürlich auch einfach so ergeben kann, zum Beispiel im Urlaub, wenn viel Zeit ist), mit anderen Worten: Einfach Liebe Gespräche, die Basiszutat für Entspannten Sex und die Liebe, müssen geplant werden, auch und gerade im Advent. Also: Terminkalender zücken und Verabredungen eintragen. Plant Gespräche konkret und achtsam ein – sie müssen vielleicht nicht am Heiligabend stattfinden, aber an mindestens an einem Adventssonntag und auch in der besonderen Zeit zwischen den Jahren.

Ihr fahrt in Urlaub? Großartig, dann plant dort großzügige Zeit für verbindliche, nicht verhandelbare Paargespräche ein – beim Spaziergang, morgens nach dem Frühstück, beim heißen Kakao am Nachmittag…
Ihr fahrt mit Kindern in Urlaub? Prima, dann müsst ihr etwas findiger sein im Planen, keine Frage – aber: Wir wissen, dass es geht, denn wir haben selbst drei Kinder und kennen wahrscheinlich alle Unwägbarkeiten, die in einer solchen Konstellation möglich sind. Und doch haben wir es in der Zeit möglich gemacht, unsere Liebe zu retten – weil wir unserer Liebe Zeit geschenkt haben.

Collect moments…
Stress macht manchmal schlechte Laune – schlechte Laune macht schlechte Kommunikation und schlechte Kommunikation ist Gift für die Liebe. Und für Entspannten Sex sowieso.
Deshalb sind die bewusst erlebten Momente so kostbar: Dein Partner zeigt dir, was auf seiner Insel gerade so los ist, was ihn beschäftigt, freut oder sorgt – und weil es nicht darum geht, Antworten zu finden, sondern nur darum, zuzuhören, entsteht eine ganz neue Form der Verbundenheit. In diesen Gesprächen kann viel zur Sprache kommen, ganz ohne Vorwurf und Erwartung – danach wissen beide wieder, wo der Partner gerade steht und plötzlich ist Platz für die Liebe. Kein Druck, kein Anspruch, einfach nur Austausch.
Diese Momente sind Geschenke, sie verändern euch, eure Liebe – die zu sammeln macht Sinn. Und das ist sehr weihnachtlich – weil es doch um Liebe geht in dieser Zeit…