Und täglich grüßt das Murmeltier.
Was für eine schöne Idee, die Vorstellung, es gäbe irgendwo einen Ort, an dem alles gut ist. Mit alles meinen wir wirklich ALLES. Die Liebe eindeutig, der Sex umwerfend, das Glück unbeschreiblich, die Kindern wohlgeraten, der Alltag reibungslos geregelt, der Job erfüllend und gut bezahlt. Und wenn mal was nicht ganz so glatt läuft, mache ich den schönsten Urlaub der Welt, besuche ein Glücks-Seminar, kaufe mir was Schönes, gucke Netflix zum Entspannen – mache also irgendwas zum Ablenken und dann wird das, was gerade nicht so gut läuft, auch schnell wieder besser … leider ist uns bis jetzt kein Mensch begegnet, bei dem das so klappt.
Viele Menschen, und damit schließen wir uns ein, versuchen immer wieder, alles ins Lot zu bringen, indem wir hartnäckig versuchen, irgendwas im Außen zu tun, damit es sich im Innen nicht so blöd anfühlt – so unzufrieden, so traurig, so ratlos, so irgendwie falsch. Das gilt für viele Bereiche, aber ganz besonders auch für Sex, wo viele das Glück im Noch mehr Machen, Noch mehr Tun, Noch mehr Reiz, Noch mehr von allem, suchen.

Unsere Erfahrung damit ist: Die Lösung liegt nicht außen, sondern innen. Kein Liebhaber der Welt, kein Urlaub, kein gar nichts im Außen können uns in der Tiefe nachhaltig glücklich machen. Das alles funktioniert immer nur für den Moment und verpufft schnell – dann machen wir uns auf zum nächsten. Und nächsten. Übersetzt auf Sex heißt das: Wir sind unentwegt auf dem Weg zum nächsten Orgasmus, und zum nächsten, und nächsten … zufrieden ist anders, oder?

Abenteuerlicher Richtungswechsel

Wenn es also so ist, dass du das Gefühl hast, in diesem Loop nicht hängenbleiben zu wollen, dann könntest du ja mal die andere Richtung versuchen. Die nach innen, zu dir selbst. Die unserer Meinung und Erfahrung nach beste Methode der freundlichen Innenschau heißt:

Meditation.

Also sitzen und nix tun, was vor allem am Anfang nicht leicht ist. Auch nix zu wollen hat so seine Tücken, weil es mega-ungewohnt ist. Wenn du das noch nicht so oft gemacht hast, gibt es viel zu entdecken. Und wenn dir dieser Weg schon vertraut ist, weißt du: Es wird nie langweilig, weil es immer anders ist. Eben JETZT. Und dieses JETZT war noch nie vorher.(Was Meditation jetzt ganz direkt mkit Sex zu tun hat, kannst du in unserer Podcastfolge #018 Mehr Om im Sex hören).

Bevor du startest, ist es gut, dir eine einzige Frage zu stellen und die heißt: Warum will ich das tun? Worin liegt meine Motivation?

Wenn du zum Beispiel dauerhaft mit dir selbst in Kontakt sein willst, was eine super Basis für ein zufriedenes Leben ist, dann ist die Richtung klar: Nach innen. Das heißt, du fängst nicht an zu meditieren, weil es gerade IN und cool ist oder deine Krankasse dir einen Bonus verspricht, sondern weil du wissen willst, wie es sein kann, wenn du nicht mehr in der Das-Glück-liegt-auf-der-anderen-Seite-des-Ufers-Schlaufe hängst. Du verschiebst das Ganze auch nicht auf morgen, nimmst dir nicht zum tausendsten Mal vor, auch mal zu meditieren (da ist das Scheitern schon vorprogrammiert), sondern du machst einen ganz konkreten Plan. Heute.

Also: Was motiviert dich, den Blick nach innen zu werfen? Vielleicht schreibst du es dir auf? In jedem Fall ist es gut, deine Motivation sehr bewusst zu benennen, immer wieder, weil du dich damit am Start hältst – und darum geht es ja: Immer wieder neu zu starten und nicht immer in derselben Kurve rauszufliegen.

Mach mal einen Plan

Du planst 15 Minuten am Tag, die du dir selbst widmest. Das kann jeder Mensch – selbst wenn Kinder durchs Haus toben oder der Job mega-anspruchsvoll ist – 15 Minuten gehen immer, erstmal für 21 Tage, ganz Neugierige nehmen sich 66 Tage vor, die braucht es nach aktueller Forschung nämlich, um neue Gewohnheiten zu etablieren.

Wichtig ist, gut zu überlegen, wann du diese Zeit am allereinfachsten nehmen kannst: Morgens, bevor alle anderen aufstehen? Das war bei uns mit drei Kindern die beste Zeit. Mittags, wenn alle unterwegs sind, am Abend, bevor du ins Bett gehst? Es ist sehr hilfreich (aber kein Muss), immer die gleiche Zeit zu wählen, nicht mit dir zu diskutieren, ob du jetzt Lust hast oder nicht. Wichtig: Gib dem Plan Luft, indem du dir einen freien Tag in der Woche nimmst, der Medi-frei bleibt. Das hilft enorm. Plane gut, am besten zum Wochenstart, welche Tage frei bleiben und an welchen du wann sitzen willst.

Bestimme einen Platz, den du so einrichten kannst, dass du nicht gestört wirst (kein Telefon, kein Handy, keine Türklingel, keine Kinderwünsche) und wo du bequem sitzen kannst. Es muss kein Meditationskissen sein – wichtig ist nur, dass du aufrecht sitzt, mit Boden- oder Stuhlkontakt (es darf auch gern dein Sofa sein). Im Liegen schläfst du zu schnell ein … Wichtig ist, dass du den Kopf nicht anlehnst, sondern entspannt gerade hältst. Stell dir einen Timer mit sanftem Ton (Gong-App), oder lade den kostenlosen Grundkurs der 7Mind-App runter – da kannst du Zeit und Gong wählen und einstellen, dass du alle 5 Minuten einen Gong haben möchtest, was sehr helfen kann, sich wieder zu fokussieren.

Los geht’s: Mindful breath

Atmen tust du ja natürlich sowieso, jetzt geht es darum, dass du dein Atmen mitbekommst. Beginne also damit wahrzunehmen, wo du den Atem am deutlichsten spüren kannst: Als kühlen Luftzug an den Nasenlöchern, als Luftstrom im Rachen, als Bewegung in der Brust, im Bauch, in den Flanken oder wo auch immer. Dieser Ort wird für die Zeit der Meditation dein Anker sein: Immer wenn du abgelenkt bist, kehrst du zu dieser Körperstelle zurück und spürst deinen Atem.

Und dann kann’s losgehen mit der eigentlichen Meditation, mit dem Nichtstun:
Du nimmst wahr, was sich zeigt: Gedanken, Gefühle, Reaktionen deines Körpers. Du merkst, wie du über den Einkauf nachdenkst, dein Rücken zwickt, du wirst unruhig oder total müde … im Unterschied zu sonst geht es jetzt nicht darum, auf diese „Geschehnisse“ zu reagieren, sondern sie einfach nur wahrzunehmen. Der Clou: Du bist ganz nah an dir dran, du kriegst mit, wie es dir wirklich in diesem Moment geht. Und das ist nicht immer angenehm, aber auf jeden Fall echt. Authentisch. Ohne Drama. Einfach du, wie du jetzt gerade denkst und fühlst. Du lässt deinen Rücken schmerzen, fühlst, was es zu fühlen gibt und stellst fest, wie es jetzt gerade so ist mit dir? Dein Blick auf dich ist dabei freundlich, ohne Urteil. Just try.

Dreimal sitzen – guter Sex?

Leider nein … aber das unterscheidet Meditation nicht von allen anderen guten Gewohnheiten, die Ausdauer benötigen, um sich fest in uns zu verankern. Beginne mit 21 Tagen, erweitere auf 66 Tage. Wenn du schon mal im Rhytmus bist … Wie beim Geige spielen sind die ersten Lieder noch nicht der wahre Ohrenschmaus, beim Meditieren braucht es bei den meisten auch eine Zeit, bis du merkst, dass du dich veränderst – ruhiger wirst, freundlicher mit dir selbst, zufriedener. Die 15 Minuten werden zu einer Tankstelle für Körper, Seele und Geist.

Und sie verändern deinen Sex, diese regelmäßigen Reisen nach Innen. Denn je mehr du mit dir in Kontakt bist, desto klarer bist du beim Sex – weil du mitkriegst, was sich gut anfühlt, weil du entspannen und hinspüren kannst – ganz echt, ganz jetzt.

Deshalb ist für uns das Innehalten so wichtig, es ist die Basisübung für entspannten Sex und wir werden nicht müde, dich einzuladen, dir diese 15 Minuten am Tag zu schenken.