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Neulich lasen wir in einer bekannten Wochenzeitung folgende Überschrift:

»Wie du in 10 Schritten schneller eine glückliche Beziehung erreichst!«

Ehrlich gesagt reichen solche Überschiften, uns richtig ärgerlich zu machen – die beiden Worte schneller und erreichen, verbunden mit Glücksversprechen sind für uns eher Marketingstricks – mehr nicht. Ganz erstaunt waren wir, dass der Artikel selbst gar nicht so schräg war, sondern deutlich machte: Glück ist kein schnell erreichbarer Zustand, sondern ein immer währender Prozess, der Geduld, Liebe und jede Menge Zeit braucht.

 

Glück ist, was passiert, wenn du nicht damit rechnest

Schnelles-Glück kann durch eine leckere Praline ausgelöst werden, eine positive Nachricht, ein schönes Kompliment oder durch Vogelgesang – keine Frage, es gibt sie, die kleinen, schnellen und oft unerwarteten Glücksmomente. Leider, leider geben sich die meisten Menschen in einer Liebesbeziehung mit solchen kleinen Dingen meistens nicht zufrieden. Die eine Zärtlichkeits-Praline reicht nicht, es muss die ganze Packung sein, damit wir zufrieden sind. In der Partnerschaft wollen alle das große Voll-Dauer-Glück. 
Das Wort Glück hat sich in den Köpfen der meisten Menschen als erstrebenswerter (Dauer)Zustand eingenistet – wir sind Glücksjunkies geworden und sehr daran gewöhnt, alles auf Knopfdruck zu ordern und entsprechend schnell auch zu bekommen.

Stehen mehr als 2 Menschen an einer Kasse an, wird sofort eine weitere geöffnet, damit nur niemand zu lange warten muss und meckern könnte… Bestellen wir ein Buch online, soll es in 24 Stunden bei uns sein, ansonsten gibt es schlechte Bewertungen des Shops… Ob das Nicht-Warten-müssen ganz allgemein gut für uns ist, machen wir jetzt nicht zum Thema – wir sind ja keine Philosophen, sondern ein Paar, dass sich ums Thema Einfach Liebe und Entspannten Sex kümmert. Und in dem Zusammenhang ist ganz klar:

Liebe braucht Zeit.
Liebe braucht ein Reifen.
Liebe ist ein Prozess.
Liebe ist immer in Bewegung, nie fix, nie fertig, nie im Dauer-Glück.
Liebe ist gut aufgehoben, wenn wir uns unserem Lieblingsmenschen voller Vertrauen immer wieder zuwenden.

In einer Welt, in der alles immer schnell geht und die Sorge, etwas zu verpassen, sogar eine eigene Wortschöpfung (FOMO) bekommt, ist es nicht so leicht, der Schnelligkeit zu widerstehen – aber es geht und es lohnt sich.

 

Drei gute Zutaten: Selbstwirksamkeit. Vertrauen. Entspannung.

Fürs Konkrete versuchen wir es mal mit einen Schritt-für-Schritt-Plan, einem Geländer für die Liebe, damit wir uns im Ungewissen der Liebe nicht verlaufen. Genau, du hast richtig gelesen: ungewiss. Liebe ist immer da und gleichzeitig ungewiss, denn wie sie sich auf eurer Reise gestaltet, welche Stolpersteine und Freuden auftauchen, kann niemand wissen. Das macht sie unkalkulierbar, aufregend und immer wieder neu. Liebe ist eben keine Bestellung auf Knopfdruck, bei der die Ware EU-genormt und fertig verpackt aus dem Automaten fällt. (Wobei, es gibt ja sogar das in Bezug auf Sex: Cybersex-Automaten mit Orgasmus-Garantie… aber das ist ein anderes Thema).

Die Zutaten Selbstwirksamkeit, Vertrauen und Entspannung sind aus unserer Sicht hilfreich, das Glück in der Liebe einzuladen.

 

Zutat 1: Fang bei dir an und bleib bei dir

Selbstwirksamkeit ist das Zauberwort. Sie basiert darauf, mitzukriegen, in welchem Zustand (Kopf, Herz, Seele) ich mich gerade befinde, um dafür zu sorgen, dass es mir gut geht. Damit ist nicht unsere automatisierte Bedürfnisbefriedigungs-Maschinerie gemeint, die zum Beispiel so ablaufen kann: Ich habe Hunger auf Süßes und ziehe mir Schokolade rein. Ich will Sex und masturbiere. Ich will abschalten und trinke ein Glas Alkohol.
Diese Automatismen sind angelehnt am kindlichen »will-haben-jetzt-sofort« und sind alles andere als bewusste Handlungen. Sie befriedigen uns für einen kurzen Moment, um uns dann mit der Lust auf (immer) mehr zurückzulassen. Mit Selbstwirksamkeit hat das nichts zu tun, eher mit Selbstgetriebenheit.

Wir meinen mit Fang bei dir an und bleib dir an, die Wahrnehmung dessen, was jetzt gerade ist: Spüre ich meinen Rücken, weil ich verspannt bin? Bin ich hungrig, brauche ich eine Pause, sollte ich ins Bett gehen, habe ich Sehnsucht nach Zärtlichkeit? Das mitzukriegen heißt, für den Moment innezuhalten und dafür verantwortlich zu sein, im richtigen Maße zu reagieren. Pause machen, den Rücken dehnen, eine Yogaübung einbauen, die Atemübung aktivieren, meinem Lieblingsmenschen sagen, dass er mir fehlt: alles selbstwirksame Handlungen, die sich gut anfühlen, weil sie im Moment und aus der eigenen Kraft wirken. Das entspannt und entlastet vor allem meinen Lieblingsmenschen, den ich nicht mehr dafür verantwortlich mache, wie es mir gerade geht.

 

Zutat 2: Vertrauen

Liebe ohne Vertrauen ist wie Regen ohne Wolken – nicht möglich. Vielleicht ist es eine gute Idee, die Liebe als einen Teppich zu betrachten, auf dem eure Beziehung gut aufgehoben gelebt werden kann. Ihr habt ihn gemeinsam gewebt, er trägt euch. Das ist deshalb so wichtig, weil Leben eben auch dann nicht glatt und frei von Hindernissen sein wird, wenn ihr euch sehr anstrengt. Leben ist immer überraschend, zufällig, planlos und auch immer mal nicht ganz so easy. Da entsteht ganz schnell ein unterschwelliger Erfolgs- und Zeitdruck nach dem Motto: jetzt machen wir doch schon alles richtig und trotzdem geht es uns nicht besser miteinander. Weil Schnelllösungen aber eben nicht das sind, was sie versprechen, weil die Liebe Zeit braucht geht es darum, auch die etwas strickeligen Zeiten vertrauensvoll zu leben und zu wissen: Unser Teppich trägt uns, auch wenn es gerade so aussieht, als würde er uns unter den Füßen weggezogen.

Der Teppich muss natürlich ab und zu vom Staub befreit werden, es ist nicht gut, ihn unachtsam mit verschmutzten Schuhen zu betreten – sprich: dass Vertrauen wächst, wenn ihr dem Teppich Gutes tut lässt und nicht vergesst, dass er eure Grundlage ist. Gute Pflegeprodukte für den Teppich unter euren Füßen sind das Paargespräch und die Paarzeit (siehe unsere Formel zum Glück), aber auch, gemeinsam in den Wald zu gehen und alles andere, was euch gemeinsam gut tut und eure Nähe fühlbar macht.

 

Zutat 2: Entspannter Sex

»Go with the Slow« – beim Sex das Tempo rauszunehmen ist eine der besten Ideen überhaupt. Vieles aus Punkt 1 und Punkt 2 spielt hier mit hinein. Entspannter Sex hat nämlich viel mit Vertrauen zu tun: Vertrauen in die eigene Wahrnehmung, in mein Gegenüber, in den Prozess der Liebe selbst. Und Selbstwirksamkeit beim Liebemachen heißt: ich bin ganz da, spüre mich, erfahre mich und uns in Echtzeit und kann vermitteln, was mir guttut oder was ich jetzt gerade eher nicht möchte. Beides zusammen, Selbstwirksamkeit und Vertrauen gehört zu entspanntem Sex unbedingt dazu UND vermehren sich von selber – wenn das mal kein guter Deal ist. Bindungssex heißt das Zauberwort.

Carl Rogers hat über dass Leben etwas gesagt, das auch auf Beziehung gut passt:

»The good life is a process, not a state of being – it’s a direction, not a destination.«

Wir würden sagen: Die gute Beziehung ist ein Prozess – das Glück, die Liebe übrigens auch, womit wir wieder am Anfang wären: schnelles Glück ist eine Vorstellung, die in unseren Köpfen wohnt und gut geeignet ist, sich das Lebens schwer zu machen. Und darauf hat doch niemand Lust, oder?